Stadtbild
und Umgebung von Bad Wildbad vom Bike geprägt
Am
Wochenende:
Eröffnung des Bikeparks und Veranstaltungsvielfalt
ließen Bäderstadt zum Mekka der Radsportler werden
Von Freitag, 18. August, dem offiziellen Eröffnungstermin des Bikeparks Bad Wildbad bis
zum Sonntagabend und den abschließenden Siegerehrungen tanzte der Bär in der
Bäderstadt. Das Bike wurde dabei zum sportiven Vehikel vor allem der jüngeren
Zeitgenossen, die aus allen Teilen Deutschlands und aus dem angrenzenden Ausland anreisten
und sich dieser Trendsportart intensiv widmen. Weit über 1200 Biker einschließlich
Begleitung aus den Disziplinen des rassanten Abfahrens, bei denen es auf den Pisten mit
Steilkurven und Sprüngen um Tausendstel von Sekunden geht, sowie des Ausdauersports
(Marathonstrecken über 53 km bzw. 80 km, die viele der über
800 Starterinnen und Starter an ihre körperlichen Grenzen führte, ließen das obere
Enztal am vergangenen Wochenende zu einem farbenfrohen Dorado von Bikern werden, deren
Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und Unkompliziertheit im Umgang miteinander geradezu
ansteckend wirken konnte. Vorher kaum zu glauben und auch nicht vorstellbar: Dieser Sport
hat sich zwischenzeitlich zu mehr als einer Randgruppe entwickelt, boomt ungeheuer und
erlebt gegenwärtig trotz der nicht gerade geringen Kosten ungebrochenen Zulauf.
Eine Jugend mit Waschbrettbauch, Knack-Po, Muskeln (wo diese hingehören) und
optimal durchtrainiert, so eine genaue Beobachterin, bestimmte das Bild.
Offizielle
Eröffnung des Bikeparks mit zahlreichen Ehrengästen
Die
bekannte Radio- und TV-Moderatorin Beate Blasius mit Kollegin Antje Kühlmorgen hatten am
Freitag gegen 11 Uhr gerade den live von SWR 4 als Nahaufnahme gesendeten
Beitrag abgedreht, da öffnete der Himmel seine Schleusen. Rednerpult und Mikro für die
zahlreich vorgesehenen Ansprachen und Grußworte waren im Freien vor der Skihütte
platziert; Bürgermeister Dr. Walter Jocher und Landrat Hans Werner Köblitz standen
danach jedoch in des Wortes eigentlichem Sinn buchstäblich im Regen. In der flexiblen
Umsetzung des Orts des Geschehens behielt Verkehrsdirektor Alfred Dath die Fäden in den
Hand und der Landkreis-Chef konnte seine Gratulation für die innovative Einrichtung und
großartige Gesamtleistung an Stadt und SOG als Betreiberin adressieren. Sprach der
Bürgermeister noch davon, dass Bad Wildbad nunmehr sein sportliches Ereignis hat und
der Bikepark eine optimale sportliche Ergänzung der Freizeitanlagen
darstelllt, freute sich Köblitz über die erfolgreichen Bemühungen zur Erreichung
neuer Zielgruppen für die Stadt und die Region. Wir begrüßen die Einrichtung
uneingeschränkt, so der Landrat, zumal seiner Ansicht nach die Radsportler einer
zahlungskräftigen Klientel angehören. Großes Kompliment galten der Stadt mit
Bürgermeister Dr. Jocher, Verwaltung und Gemeinderat, Ordnungsamts-Chef Frank Olaf
Wilhelm, der SOG, dem städt. Bauhof und Stadtwerken, Forst und den vielen beteiligten
Stellen sowie den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Skizunft. Die lange Liste der
engagierten Mitstreiter ergänzte das Stadtoberhaupt.
Beate Fauser als Mitglied des Landtags gratulierte ebenfalls und deutete das Regenwetter
bei der Taufe des Bikeparks als gutes Zeichen dafür, dass sich daraufhin ein
kräftiges Kind entwickle. MdL Lothar König zollte den intensiven Bemühungen Bad
Wildbads zur Zukunftssicherung ebenfalls Lob und Anerkennung.
Der Bikepark ist damit eröffnet ... diese knappe Formulierung beschloss
innerhalb der Skihütte die symbolische Aktion mit der Schere, wobei das in den Farben der
Stadt Bad Wildbad gehaltene Startband durchschnitten wurde.
Bergbahn-Fahrtechnik
durch morgendlichen Blitzeinschlag außer Dienst
Der
Freitag konnte nicht schlimmer beginnen: Ein gewaltiger Blitz hatte am Freitagmorgen die
Elektronik der Bergbahn zum Sommerberg lahmgelegt, sodass bereits angereiste Biker,
Zuschauer, Fun-Fahrer, Ehrengäste u.a. auf den Omnibus-Behelfsverkehr angewiesen waren.
Eine mittlere Katastrophe, ängstigten sich die Verantwortlichen vor dem
Tagesverlauf, der irgendwie und gut improvisiert bewältigt wurde. Aus Zürich wurde ein
Spezialist mit den notwendigen Ersatzteilen herbeitelefoniert und nach dreistündiger
Reparatur war am Freitagabend gegen 23 Uhr die Bergbahn wieder fahrbereit.
Liveband
Donots schöpfte Lärmpegel bis an die Grenze aus
Für
die Jugendlichen und offensichtlich mit mehr Windungen im Gehörgang ausgestatteten Kids
war der Freitagabend auf dem Kurplatz gedacht. Die örtliche Gastronomie, Anrainer und
speziell die Gruppe EGW (Ereignis-Gastronomie Bad Wildbad), die an den Veranstaltungstagen
die Besucher auf dem dicht gefüllten Kurplatz betreute, wurde der besonderen
Herausforderung in jeder Phase gerecht. Dass jedoch zwischen 21 und 22 Uhr ein Teil
der (nicht nur älteren) Festbesucher heimwärts zog, hatte mit der Lautstärke und
Qualität der Musik zu tun. Wurde zunächst der aufwendig lange Sound-Check der Gruppe aus
Münster belächelt, setzte gegen 21 Uhr ein tonales Gewitter ein, das bei allem
Verständis eher einem Bemühen entsprach, dem Instument ein Höchstmaß an Phon
abzuringen. Die beiden Gitarristen legten dabei kurzzeitig staunenswerte Sprints über die
gesamte Breite der Bühne ein und beim Leadsänger konnte durchaus der Eindruck gewonnen
werden, als würde der Frontmann in Sydney für die Disziplin Hochsprung aus dem Stand
trainieren. Um 22 Uhr war zum Glück der Spuk vorbei; der Abend verlief dann bis zum
Ende in geordneten Bahnen.
Spannung
und Dramatik beim Dual-Slalom
Strahlende
Sonne begleitete die Wettbewerbe auf dem Sommerberg, mit denen der Samstag ausgefüllt
war. Diese auch vom Publikum begeistert aufgenommene Disziplin mit rd. 250 Startern,
in der zwei Akteure auf parallel angelegten Pisten gegeneinander antreten, ging über
einen Slalom von 300 m Länge und 14 Kurven, der zweimal zu durchfahren war. Rote und
blaue Kippstangen markierten die Piste und mit Karacho bretterten die Akteure durch
Qualifikation, Zwischenläufe bis ins Finale. Sieger der Lizenzfahrer Herren mit der
schnellsten Zeit aller Akteure wurde der Ex-Europameister von 1999, Guido Tschugg, vom
Wheeler-Team Deutschland aus Altusried bei Isny, der mit insgesamt 59,86 Sek. unter
der Minutengrenze blieb.
Als einziger Akteur aus der Region war der zwölfjährige Stefan Ehlebracht von der
Skizunft Wildbad am Start, der als Sommerbergler den Bikepark praktisch vor der Haustüre
hat. Bei der Siegerehrung am Sonntagabend nahm an seiner Stelle der stolze Papa Klaus
Ehlebracht die Sonderehrung entgegen, nachdem der Junge daheim geblieben war. Nur um die
Winzigkeit einer Sekunde hatte der Nachwuchsbiker das Viertelfinale verpasst. Der
mutige Bursche ließ es sich auch nicht nehmen, am Sonntag beim Biker-Cross an den Start
zu gehen.
Sommerberg
Bikepark als Anziehungspunkt für interessierte Besucher
Vor
allem am Samstagnachmittag zog das Zuschauerinteresse mächtig an und die zum Glück
wieder funktionierende Bergbahn beförderte in den Nachmittagsstunden Hunderte von
Besuchern auf den bad Wildbader Hausberg. Sie wurden sowohl von den in die Landschaft
eingebundenen Pisten, die weitgehend in vom Orkan Lothar betroffene Waldteile verlegt
wurden, als auch von der großartigen sportlichen Attraktivität der Wettbewerbe
überrascht.
Kickboard
City-VIP-Rennen auf dem Kurplatz
Auf
der Unterhaltungsseite des Biker Openings war am Samstagabend auf dem Kurplatz ein
City-Roller-Racing vorgesehen, bei dem jedoch die angesprochene (örtliche) Prominenz
durch Abwesenheit glänzte. So stellten sich das Stadtoberhaupt Dr . Walter Jocher, die
beiden Bad Wildbader Stadträte Volker Gründer und Jochen Borg dem Wettbewerb, der mit
Michael Seidel, Bürgermeisters-Gattin Andrea Jocher, ihrer Schwester Elisabeth Rupf, die
im örtlichen Polizeivollzugsdienst tätige Agnes Bügel, sowie den beiden Kindern
Nathalie Macas und Chris Hasselwander (Dettenhausen) komplettiert wurde. Roland Betzmann
von der SOG übernahm dazu die Moderation und weniger die jeweils dicht beieinander
liegenden Zeiten als der von der Showbühne herunter gesteuerte Sympathiebeifall gab den
Ausschlag für die kleine Nathalie als Siegerin. Pokale gab es für die ersten Drei und
einen Sonderapplaus für den Bürgermeister, der beim Probefahren wegen zu großen
Schwungs auf dem Allerwertesten landete.
Bikeparty
auf dem Kurplatz bis weit in die Nacht hinein
Ausgesprochen
passend für den Anlass und angenehm im Ohr stellte sich der Auftritt des Duos
RUSSN CHEESE heraus, dessen Repertoire von Westernmusik über Oldies als
Hit früherer Zeiten bis zum Rock vom Feinsten reichte. Bei fast südländischen
Temperaturen ging in fröhlicher Ausgelassenheit ein Tag zu Ende, dessen glücklicher
Verlauf mit hoch interessantem Sport und vielen persönlichen Kontakten untereinander man
sich nicht besser hatte wünschen können.
1.
Internationaler Schwaben Bike-Marathon als Non plus ultra
Zum
Höhepunkt des Wochenendes, der auch hinsichtlich der Teilnehmermeldungen alle Grenzen zu
brechen schien, wurden am Sonntag die Bike-Marathonveranstaltungen über eine längere und
kürzere Distanz, die an der Enztalhalle starteten. Bürgermeister Dr. Jocher schickte
insgesamt 840 Starter auf die 53 km- bzw. 80 km lange Strecke, die angesichts
der 1800 bzw. 2750 Höhenmeter sowie des schwülen Sommerwetters für viele an die
Grenze der Belastbarkeit (und darüber hinaus) ging. An TV-Berichte über den New-York-
und London-City-Marathon erinnerte das dichte Gedränge vor der Enztalhalle, wobei
gleichzeitig ein ungeheurer materieller Wert präsent war. Bereits um 6 Uhr erfolgten
die ersten Einschreibungen und die Calmbacher Wohngegend im Bereich der Jahnstraße
Altwiesen Beermiß erinnerte eher an ein grandioses Heerlager der Moderne.
Favorisierter
Tobias Nestle aus München brach ein
Der
Gewinner des ersten Marathons, der sich mit einem Sieg in Bad Wildbad Hoffnungen auf die
10 000 Mark-Gewinnprämie hätte machen können, führte über lange Zeit
unangefochten das Feld an, um dann auf dem Schlussdrittel einzubrechen. Die Nr. 444,
Markus Reichle von Centurion Magstadt, lauerte vom Start weg auf Rang zwei, passierte alle
Kontrollstellen im absoluten Vorderfeld und sah seine Zeit gekommen, als sich bei Nestle
der kleine Mann mit dem Hämmerchen meldete, wie dieser im Siegerinterview
freimütig zugab.
Zieleinlauf
Kurplatz alle Teilnehmer waren Sieger
Angesichts
der Strapazen und der Bilder, die sich auf dem überfüllten Kurplatz zeigten, waren am
Sonntag alle durchgekommenen Teilnehmer als Gewinner zu sehen. In den Gesichtern der
Akteure spiegelte sich neben den Anstrengungen auch zu recht der Stolz, mit der
Herausforderung klar gekommen zu sein. Das DRK und auch ein Ärzteteam waren präsent, um
mit entsprechendem Einsatz möglichen gesundheitlichen Problemen zu begegnen. Zum Glück
waren es nur einige wenige, die im Zelt des Roten Kreuzes sich kurzzeitig erholen mussten.
Die Organisatoren sorgten mit Getränken, Obst und den vielfältigen Formen an
Kohlehydraten für den Mineralienausgleich der Athleten und bis zur Siegerehrung
verwandelte sich das Stadtzentrum und der Kurplatz zu einem bunten Athleten-Treff, wobei
der intensive Erfahrungsaustausch der zurückliegenden Stunden zum wohl dominierenden
Thema wurde.
Für Kurzweil bis zur abschließenden Siegerehrung sorgte eine Band sowie der Stuttgarter
BTX-Fahrer und Weltmeister Guido, der mit seinem Spezial-Rad verblüffende Vorführungen
auf den Plattenbelag des Platzes zauberte und bereits am Samstagabend einen viel
bestaunten Auftritt hatte.
Biker
Cross auf dem Sommerberg
anspruchsvolle Strecke mit 16 Hindernissen und 22 (Steilwand-)Kurven
Megageil
so kurz und knapp die Kommentierung der Strecke eines jugendlichen Bikers auf dem
Sommerberg, der ebenso wie die weiteren Mitkonkurrenten davon begeistert war, was er in
Bad Wildbad antraf. Beim Fun-Fahren und Kennenlernen der anspruchsvollen Strecke vor dem
lange sich hinziehenden Wettbewerb heizten die Jugendlichen den 700 m langen Parcours
hinab, oft mit Sprüngen weit über die als Hindernisse eingebauten Kompressionen und
Kamelbuckel hinweg, mit Sekunden dauernden Luftfahrten, die noch zu akrobatischen Einlagen
genützt wurden. Leider brachte ein Stromausfall im Bereich der Cross-Strecke den gesamten
Zeitplan durcheinander; erst ein von der Feuerwehr Bad Wildbad in Einsatz gebrachtes
Aggregat sorgte für den notwendigen Saft.
Zum Glück hielten sich die Stürze der High-Speed-Racer und die damit verbundenen
Blessuren in Grenzen, die gleich vor Ort von DRK-Helfern, Ärzten und Bergwachtlern
versorgt wurden.
Herzliche
Dankesworte zum großartigen Gelingen der Veranstaltungstage
Bürgermeister
Dr. Walter Jocher brachte in einem Schlusswort nach der letzten Siegerehrung nochmals auf
den Punkt, dass es ihm ein Herzensbedürfnis sei, allen engagierten Helfern zu danken. In
der Auflistung und ohne Anspruch auf Vollständigkeit erwähnte er u.a. die Vereine der
Gesamtstadt, die als Marathon-Streckenposten ihren Dienst versahen, in besonderem Maße
die Feuerwehren, Ärzte , DRK, Bergwacht, die Gastronomie, die Einzelhändler für ihre
Teilnahme am verkaufsoffenen Sonntag, Polizei und Ordnungskräfte sowie das ganze Spektrum
der städtischen Mitarbeiter.
Roland Betzmann von der SOG als Betreiberin des Bikeparks Bad Wildbad: Wir haben uns
letztes Jahr im Bemühen um die Realisierung dieses Projekts kennen und jetzt nach
diesen Veranstaltungstagen auch schätzen gelernt, freute er sich über die
ausgesprochen gute Zusammenarbeit. Dankesworte galten auch noch Didi Schneider als
verantwortlichem Streckendesigner des Bikeparks und dem Neuenbürger Biker-Spezialisten
Patrick Gall, der für die Festlegung der Marathon-Strecken zuständig war. Ihm wurde
zusammen mit seiner Freundin ein einwöchiger Aufenthalt im Bikepark Bischofsmais
spendiert.