Osterhase
im Bikepark Sommerberg: Handschuhe und Winterreifen waren gefragt
Schnee
und Eis zwangen Oster-Sonntagmorgen zur Absage aller Wettbewerbe
Die groben Stollenprofile der Spezialbikes, die am Karsamstag auf der neuen
Downhillstrecke vom Sommerberg-Plateau zum Kriegsblindenkurheim und der Zwischenstation
der Bergbahn zum Einsatz kamen, wurden weniger wegen der winterlichen Verhältnisse als
vielmehr wegen der durchgeweichten Streckenabschnitte gewählt. Wenn nicht gerade große
Steine, speziell eingebaute Hindernisse, Kamelhöcker und schanzenartige
Gebilde zu passieren waren, von denen es vor allem im steilen Hanggelände reichlich gab.
Die erste Mutprobe hatten die mit aufwendig abgefederten Vorderradgabeln und im
Sitzbereich variabel beweglichen Teilen ausgestatteten Bikes von einem
herkömmlichen Fahrrad so weit entfernt wie ein Pkw von einem Formel-1-Renner in
der Startphase zu bewältigen. Eine vier Meter hohe und vom Zimmergeschäft Keller
(Sprollenhaus) gebaute Startrampe unmittelbar am Peter-Liebig-Stein sorgt zum Anfang
dafür, dass bei dem kurzen, jedoch rund 40%-Gefälle die Downhiller den Atem anhalten und
den Zuschauern die Gänsehaut über den Rücken läuft.
Neue
Downhill-Strecke vom Sommerberg ins Tal vorgestellt
Bei
strahlendem Sonnenschein erfolgte für die Presse und interessierte Öffentlichkeit am
Karfreitag gegen 11 Uhr die offizielle Präsentation der in den letzten Monaten
fertiggestellten Abfahrtspiste, die sich als neue Trasse weitgehend den
verheerenden Spuren des Lothar folgend öfters in der Diretissima in
Richtung Kriegsblindenkurheim/Panoramastraße hinabwindet. Bürgermeister Dr. Walter
Jocher, städt. Ordnungsamtsleiter-Chef Frank-Olaf Wilhelm, Vertreter des Staatl.
Forstamts Bad Wildbad und der örtlichen Polizei wurden von Jürgen Wazian und Roland
Betzmann von der Sportmanagement GmbH (SOG) als Betreiberin des Bikeparks Sommerberg an
der Station der früheren Hotelgaragen begrüßt. Markus Sitzler (Alpirsbach),
Dienstleister der SOG und für die technische Abwicklung zuständig, stellte dabei die
Kriterien der in seiner Verantwortung entwickelten neuen Steilpiste vor. Der
Schwerpunkt der Downhillstrecke liegt eindeutig in den technischen Höchstanforderungen
für Fahrer und Material, weniger im Kick der Geschwindigkeit. Anerkennende
Dankesworte galten allen Beteiligten für die weitgehend unbürokratische und rasche
Umsetzung der Planungen und nicht zuletzt dem geradezu vorbildlichen Ineinandergreifen von
Abläufen, die zur Realisierung der von den Bikern als höchst qualifiziert und
beispielhaft gestalteten Strecken führten.
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Downhiller am Ostersamstag am Start
Bei
geradezu optimalen Bedingungen ging am Samstag Teil 1 der insgesamt drei unterschiedlich
strukturierten Wettbewerbe (Night-Speed auf der Dual-Slalomstrecke, Biker X Cross auf dem
Sommerberg-Skihang), die am Ostersonntag und -montag folgten sollten, über die Bühne.
Vom 4 m hohen Holzpodest bretterten die Bike-Artisten den Sommerberg abwärts, über
Buckel, große Steine, künstliche Hindernisse und in einem Tempo, das geradezu irrsinnig
war. Unter den XXL-Shirts und weiten Rennhosen in Übergröße trugen sie Protektoren, die
sie ebenso wie die zur Pflicht gemachten Helme vor Sturzfolgen schützten. Nach Aussagen
der Fahrer kamen nur wenige ohne Bodenberührung auf der 2,2 km langen Piste mit rd. 300
Höhenmetern ins Ziel: Selbst der mit der absoluten Tagesbestzeit (3.46,66 Min.)
registrierte Elite-Lizenz-Fahrer und Deutsche Downhill-Meister Marcus Klausmann,
Denzlingen, hatte einen Steher und der Dritte der Elite-Klasse, Markus Bast, Rheinbach,
sprintete den letzten Abschnitt der Strecke zu Fuß, das Bike mit abgerissener Schaltung
an der Seite führend.
Auf der Panoramastraße im Bereich der Bergbahnbrücke und dem dort eingerichteten
Waschplatz der Bikes sammelte sich nach dem Zieleinlauf die Fahrercrew, um mit dem
eingerichteten Shuttle-Transfer wieder auf den Sommerberg zu kommen.
Deutsche
und internationale Fahrer von Bikepark Wildbad begeistert
Schade
wir haben uns alle so auf die Tage in Bad Wildbad gefreut ... die Strecken sind
absolute Spitze und die Organisation o.k., so Elitefahrer Markus Bast vom Team GMP
Rheinbach, in Nevada/USA bei den Downhill-Weltmeisterschaften Sechster. Die
Stimmung der Fahrer ist gut und die Strecke ist sauschwer ... ich bin total fertig und
keine zehn Pferde bringen mich nochmals nach oben, äußerte sich Jan Stötzer, Team
Pirate Hamburg. Die bildhübsche Marion Löhndorf vom Team GMP Rheinbach, bei der
Siegerehrung blitzte der gepiercte Nabel und eher Disco-Queen als Rennfahrerin mit
internationaler Lizenz: Schade, wir hatten uns alle auf Bad Wildbad gefreut und
waren auf das erste Rennen dieser Saison heiß. Ich hab so einen
Hals, signalisierte Markus Sitzler, Streckenchef und für die technischen Details
verantwortlich. Und jetzt lässt uns in dem entscheidenden Augenblick das Wetter im
Stich ... viel Geld wurde ausgegeben und anstrengende Wochen mit harter Arbeit liegen
hinter uns, so der Alpirsbacher.
Kaum
Unfälle nur wenig Blessuren
Bis
gegen 17 Uhr hatte der letzte Downhiller die Lichtschranke passiert und das auf höchstem
sportlichen Niveau angesiedelte Rennen war abgewickelt. Dank der aufwendigen
Sicherheitsmaßnahmen und Präsenz von DRK-Helfern sowie der Bergwacht gab es nach
Auskünften des Roten Kreuzes nur geringfügige Verletzungen durch Stürze, die weitgehend
ambulant behandelt werden konnten. Der gesamte Bikepark auf dem Sommerberg einschließlich
der Abfahrtsstrecken (Freeride, beide Downhill-Pisten) wurde in Sicherheits-Planquadrate
eingeteilt, die vor allem auch nach Alarmierung per Handy oder Funk vom engen Netz der
Streckenposten einen gezielten Einsatz der Rettungshelfer ermöglichten.
Oster-Sonntag:
Ca.10 cm Neuschnee/1,5 Grad minus/Nebel/Schneefall
Man
wollte es nicht glauben ... doch bei diesen winterlichen Verhältnissen sahen sich die
Veranstalter nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen gezwungen, alle weiteren Wettbewerbe
der beiden restlichen Tage abzusagen. So fielen der zweite Lauf auf der Downhill-Piste und
das Night-Speed-Rennen auf der Dual-Slalomstrecke (Ostersonntag) sowie das Biker X-Rennen
und weitere Rahmenwettbewerbe dem Wetter zum Opfer. Der Titel King of
Bikepark, der dem erfolgreichsten Akteur in der Gesamtsumme der besten Platzierungen
aller drei Disziplinen verliehen worden wäre, konnte nicht vergeben werden. Die SOG sagte
jedoch zu, dass trotz der Enge des Zeitplans der Biker in diesem Jahr die Wettbewerbe auf
dem Sommerberg noch nachgeholt werden.
Teure
Bikes weckten Begehrlichkeiten ...
Offensichtlich
zieht eine Veranstaltung dieser Qualität auch Diebe an wie die Motten das Licht: Einige
sündteure Spezialräder, deren Spitzenmodelle in der Preisklasse von weit über
10 000 Mark liegen, wurden in der Nacht zum Ostersonntag geklaut. Aus den
gesicherten Abstellräumen eines Hotels wurden zwei Räder entwendet und aus den im
Parkhaus Stadtmitte abgestellten Fahrzeugen weitere Bikes gestohlen.
Orientierungshilfen
Parkplatz-Situation Camping-Notstand
Trotz
intensiver organisatorischer Vorbereitungen war nicht damit zu rechnen, dass in so hohem
Maße der Anteil der Campingfahrzeuge, Wohnwagen und Wohnmobile das Verkehrsaufkommen
prägfen sollte. Der große Parkplatz auf dem Sommerberg war im Laufe des Karfreitags
knallvoll ... die sanitären Verhältnisse dort oben jedoch ungeregelt, nachdem dort kein
Camping erlaubt ist. Als Schlafplatz war der Parkbereich vor dem Sportplatz auf der
Ziegelhütte gedacht, der auch intensiv genützt wurde ... und auch dort waren die
sanitären und weiteren Entsorgungsmöglichkeiten nicht befriedigend. Erschwerend kam
hinzu, dass die Temperaturen nach einsetzendem Schneefall in den Keller gingen und die
Biker sich gezwungen sahen, über den Zimmernachweis eine geordnete und geheizte Bleibe zu
bekommen. Neben der Erinnerung an das Oster-Bike-Wochenende in Bad Wildbad werden viele
der Fahrer und des Begleittrosses in diesen Tagen noch an den Folgen einer Erkältung zu
knabbern haben.
Unterer
Sommerberg-Parkplatz wurde zum Fahrerlager
Als
das wohl interessanteste und lebhafteste Areal präsentierte sich der untere große
Parkplatz des Sommerbergs, der von den Bikern und Begleitmannschaften, von den
Unterkunfts- und Betreuungsfahrzeugen komplett in Beschlag genommen wurde. Neben
Wohnmobilen und Wagen aus Holland, Frankreich, der Schweiz auch Fahrzeuge aus allen Teilen
Deutschlands, die mit ihrer Präsenz die Internationalität des Bikesports dokumentierten.
Wertungsläufe für King of Bikepark werden nachgeholt
In einer Pressemitteilung der SOG und Stadt Bad Wildbad wurde zugesagt, dass die wegen des
Wintereinbruchs abgesagten Rennen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Das
Sicherheitsrisiko für Fahrer, Zuschauer und Rettungskräfte wäre bei den bestehenden
Verhältnissen nicht zu verantworten gewesen. Die Sicherheit steht im
Vordergrund, so Fritz Feucht als Wettkampfausschussvorsitzender vom Bund Deutscher
Radfahrer. Die Fahrer hatten zum weit überwiegenden Teil sehr großes Verständnis, zumal
sich die Verhältnisse im Laufe des Ostersonntags verschlechterten.
SOG, BRD und die Stadt Bad Wildbad zeigten sich trotz der Wetterprobleme mit der
Organisation und dem Ablauf zufrieden; aufgetretene Schwierigkeiten wurden registriert und
sollen behoben werden. Bad Wildbad ist für die Ausrichtung der Deutschen
Downhill-Meisterschaften am 8. und 9. September 2001 gerüstet. Der Einsatz der
freiwilligen Helfer, Polizei, Feuerwehr und DRK war vorbildlich; das große Verständnis
der Anwohner des Sommerbergs für die Behinderungen vor und während der Veranstaltung
wurde lobend erwähnt.
Downhill-Bundesliga
- alle Ergebnisse Lauf 1
Lizenz
Damen: 1. Anneke Beerten, Team Be one, Holland 5.07,31; 2. Sandra Hohl, Sissach/Schweiz,
5.11,20, 3. Marion Löhndorf, Team GMP Rheinbach, 5.29,08.
Elite-Klasse Herren Lizenz: 1. mit Tagesbestzeit Marcus Klausmann, Hot Chili, Denzlingen,
3.46,66; 2. Bas De Bever, Team Be one, Holland, 3.46,83; 3. Markus Bast, Team GMP,
Rheinbach, 3.48,56.
Lizenz Junioren: 1. Daniel Auerswald, Hohndorf, 4,13,05; 2. Julien Paulus,
Frankfurt-Ensisheim, 4.22,19; 3. Thomas Schäfer, Ansbach, 4.29,64; ... 7. Johannes
Schmidt, Mr. Bike Pforzheim, 4:46,71. Lizenz Senioren: 1. Wolfgang Groß, TSV
Gaimersheim/Univega, 4.22,55; 2. Michael Opper, TSV Gilserberg, 4.30,45; 3. Jörg Heydt,
Team Shockworks, 4.33,65.
Hobby Senioren: 1. Maik Simm, Büttelborn, 4.39,85; 2. Alfons Hoevers, Niederlande,
4.47,47; 3. Achim Ehrmann, Waibstadt, 4.48,13; ... 16. Markus Jäck, Straubenhardt,
5.38,10. Hobby Damen: 1. Linda Wende, Ellweiler, 9.07,10. Hobby Junioren: 1.
Volkmar Unger, Team Radioaktiv Downhill, Rudolfstadt 4.47,39; 2. Danny Winkler, Bike
Tuning Team, Schwarzhausen, 5.04,15; 3. Rene Schmidt, Team Radioaktiv Downhill, Eschdorf,
5.16,20; ... 12. Maximilian Wolf, Mr. Bike, Pforzheim, 6.05,48. Herren Hobby: 1.
Christian Krautkremer, Wolles Racingteam, Holland, 4.40,64; 2. Thomas Schmidt, Nazza,
4.42,63; 3. Malte Rosenfeldt, Team Bike Performence, Berlin, 4.42,84.
Herren Hardtail: 1. Mike Hörner, Stroppy Pro Team, Augsburg, 4.51,59; 2. Max Bauer, TB
Neuffen, 4.58,05; 3. Martino Petrusch, Team Roter Blitz Solingen, 5.04,00; ... 17.
Christian Weber, Team Buck Rads, Pforzheim, 6.22,10.
Die Platzierungen der Baden-Württembergischen Downhill-Meisterschaften Lizenz
Junioren: 1. Johannes Schmidt, Mr. Bike, Pforzheim; 2. Sascha Ehrmann, Univega Racing,
Binau; 3. Bastian Voigt, Team Pirate, Freiburg. - Lizenz Senioren: 1. Wolfgang Ebersbach,
RIG Freiburg, Gundelfingen; 2. Jörg Friedrich, SC Truchtelfingen; 3. Willi Schlegel, RVA
Empfingen Rad X Horb. Elite Herren: 1. Marcus Klausmann, Team Hot Chili,
Denzlingen; 2. Holger Blum, SC Truchtelfingen; 3. Simon Finkel, Bikestation
Blaubeuren/Ulm.