12.02.2005
Mit dem Latein am Ende
Besucherflaute im Calmbacher Museum - Stellvertretender Bürgermeister:
Keine Schließung in Sicht
BAD WILDBAD-CALMBACH. Wenig Besucher und ein städtischer Zuschuss von rund 42 000 Euro -
die Zukunft des Calmbacher Heimatmuseums ist düster. Bisher ist eine Schließung im
Gemeinderat aber kein Thema.
Die Vergangenheit mit Flößern und Waldberufen scheint immer weniger Menschen zu
interessieren. Deutlich wird das am Heimat- und Flößermuseum in Calmbach. Kamen in den
Anfangsjahren bis zu 3000 Besucher, zählte Anette Manasiev von der Bad Wildbader
Stadtverwaltung im vergangenen Jahr rund 700 Interessierte. "Das ist sehr
wenig", sagt Anette Manasiev, die die Einrichtung mit sechs ehrenamtlichen
Museumsbetreuern aus Calmbach leitet. Warum immer weniger Besucher kommen, könne sich
keiner von ihnen erklären. Dabei fehlt es nicht am Willen. "Wir möchten wirklich
alles tun, damit wieder mehr Leute ins Museum kommen", sagt Anette Manasiev. Denn die
Arbeit von rund 13 Jahren einfach aufzugeben, "das fänden wir alle sehr
schade".
Frustration macht sich breit
"Ich habe rund 80 Vereine angeschrieben und Führungen angeboten", sagt Anette
Manasiev. Wenn vier oder fünf davon gekommen sind, seien es viele gewesen. Mittlerweile
mache sich Frustration breit, wenn es um Ideen geht, die Besucher anlocken sollen.
"Wir sind mit unserem Latein am Ende", sagt Anette Manasiev. Selbst die
kurzfristigste Anfrage habe man bedient, Ausstellungen seien angeboten worden, in
Zusammenarbeit mit der Wildbader Stadtbücherei habe es Lesungen im Museum gegeben - nur
die Besucher, die seien nicht gekommen.
Rund 42 000 Euro Zuschuss sind im Haushaltsplan des laufenden Jahres, den der Gemeinderat
gerade berät, für das Museum eingeplant. 2000 Euro werden durch Eintrittsgelder
erwirtschaftet. Ein hoher Zuschuss für eine Stadt, die selbst den Notgroschen nicht mehr
hat, um ihn umzudrehen.
"Es könnte sein, dass wir die Finanzierung des Museums überdenken müssen",
sagt Fritz Eitel von der UBKL, der zur Zeit Bürgermeister Walter Jocher vertritt. Aber:
Obwohl während der andauernden Haushalts-Vorberatungen auch die Verwaltung auf
Sparpotential hin durchforstet werde, stehe das Heimat- und Flößermuseum nicht auf der
Spar-Liste. "Das darf bei einem mit Mühe und Liebe aufgebauten Museum auch nicht
sein", sagt Eitel.
Bilder werden gestiftet
Solange nicht klar ist, wieviel Geld es 2006 für die Einrichtung gibt, fahren die
Museumsbetreuer auf Sparflamme. Aber es gibt ein Trostpflaster. "Wir freuen uns, dass
die Eigentümer des Fachwerkhauses, in dem das Museum untergebracht ist, Bilder stiften
werden", sagt Anette Manasiev. Die großformatige Bilderserie, auf der die
Renovierungs-Phasen des Hauses zu sehen sind, bevor und während das Heimat- und
Flößermuseum dort eingerichtet wurde, sollen im Flur aufgehängt werden.
Erstellt am: 12.02.2005